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Ein Enkel der Geschichte

 

   

Kein noch so bewegtes Fassadenbild mag deutlich machen, welche Wurzeln den Enkel von Großmutter Helga ein Bewusstsein für Medizin & Medien schufen.

   

Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen gehört auch noch nach dem Medizinstudium dazu. Der Deutschlandfunk Campus & Karriere führte dazu mit
ein Interview mit Dr. Berge zu Perspektiven des Fragenstellens

Am Ball bleiben
Seit 1993 ist an der Uni Leipzig ein Seniorenstudium möglich

Die Universität Leipzig hat 30.000 Studenten. Dazu kommen knapp 500 Seniorenstudenten. Bemerkenswert ist, dass die Uni Leipzig die erste in ganz Sachsen war, die 1993 das Seniorenstudium eingeführt hat. Helga Berge hat diese Gelegenheit genutzt. Die 84-Jährige studiert im 10. Semester Geschichte und Slawistik.

Strasse benannt

Dr. Helga Berge prägte Geschichtsbewusstsein für neue Generationen und kümmerte sich z.B: darum, dass das Vermächtnis ihres Lebensgefährten Dr. Eberhard Perlick in einer Strassenbenennung Erinnerung fand. Mehr zur Perlickstrasse.

MDR fit bis 100

Dr. Helga Berge wurde in der MDR-Sendung "Fit bis 100" interviewt, wo sie sagte, "Zum 100-werden, mache jeden Tag Kopfstand".

 

 

 

 

 

medizin-StudiumZwischen Medizin
                    und Medien

Während auf der einen Seite Großmutter Margarethe Ihre Spezialisierung in Stenographie, Hauswirtschaft und Schachspiel pflegte, gab es auf der anderen mütterlichen Seite Großmutter Helga. Helga, die schnelle, flotte, im Pelzmantel und mit Arzttasche, immer zur Stelle, wenn ein Patient sie gerufen...

Der Werdegang um das Medizinstudium von Helga legte tiefe Wurzeln im Verständnis von Enkel Marius für geschichtliche und inhaltliche Zusammenhänge. Nicht nur was die positiven Seiten des Heilmittelgesetzes betrifft, auch generell vererbte Helga, die übrigens als erste Ärztin, die die Blutspendeausweise in der DDR entwickelte, ein Bewusstsein für Zusammenhänge, die Enkel Marius heute in Firmen, die gute Synergie-effekte bieten, erkennen kann.

 

Aber lassen wir Helga selber sprechen, wie im folgenden als sie eingeladen wurde, über ihre Erfharungen mit dem gesund Altwerden, dem Seniorenstudium zu sprechen.:

Als Gast bei "Fit bis 100"


...oder hier, als sie im Rahmen des Seniorenstudiums junge Studenten der Medizin die Erfahrungen des Medizinstudiums im Krieg nahebrachte....

Brevier zum 20. Jahrhundert
Ein Bericht von Frau Dr. Berge, Leipzig

Quelle: Uni Leipzig

Wenn man mehr als ein Dreiviertel dieses Jahrhunderts selbst durchlebt hat und kam im Jahr 2000 an, so ist das ein mit nicht viel Gewissheit erwartetes Geschenk.

Am besten erfreut man sich dann an jungen Menschen, denen das 21. Jahrhundert ihr Leben bedeuten wird. Und jene, die nach ihren Erfahrungen im 20. Jahrhundert mit ihnen die Schwelle überschritten, wissen wohl einiges zu berichten von vergangenen Zeiträumen, die in ihren Auswirkungen bis heute Bestand haben.

Nichts ist wandelbarer als Geschichtsbetrachtung. Die Standpunkte wechseln und mit ihnen die Einschätzungen der vergangenen Situationen. Dazu sagt man dann:"Aus heutiger Sicht..." Voller Brüche war das Leben derer, die das 20. Jahrhundert erfuhren.

Ein Kind wird geboren im Oktober 1899. Ein kleines Mädchen in einer Situation, in der wir jeweils alle waren: Als Säugling - ahnungslos - gerät es am Ende des 19. in das 20. Jahrhundert, noch völlig unwissend im angelegten Zahlen- und Terminspiel der Erwachsenen. Aber immerhin steht es am 1. Januar 1901 mit kleinen unsicheren Füßchen schon aufrecht im 20. Jahrhundert.

War man damals im gleichen Zweifel und Streit wie zum Jahrhundertbeginn anno „2000 oder 2001“? Was sagten die wenigen Zeitungen dazu?

Kam man darauf zu sprechen, wenn man sich traf, - die Frauen mit einer Handarbeit, mit Sticken und Nähen beschäftigt neben den Männern, die auf alle Fälle das Sagen hatten? Die Medienlandschaft war ja noch wie eine Wüste.

Es war üblich, sonntags in die Kirche zu gehen, um dann den herausgehobenen Sonntag weiter zu gestalten: mit einem Spaziergang der Familie in die Umgebung der Wohnstätte, gar eine Fahrt mit der Kutsche - bespannt mit Pferden - aufs Land. Die sonntägliche Muße war beschaulich vor dem Haus, im Garten, wenn man so etwas besaß in der wilhelminischen Ära, dieses Kaisers Wilhelm II.

Die Freude der Eltern begleitete die tapsigen ersten Schritte der kleinen Erdenbürgerin in das neue Jahrhundert hinein. "Sie kann laufen!" Wohin?

Die ehemals kleinen Füße trugen längst Erwachsenenschuhe; da war es die eigene Tochter, der die Geschichte vom "Kohlrübenwinter 1917" erzählt wurde. Diese nahm das mit ungläubig fragenden Augen auf, staunend, ohne wirkliches Begriffsvermögen: "Kohlrüben... Hunger... nicht einmal Kartoffeln?" Wie kann das sein?

Wie sollte ein Kind sich vorstellen können, was ein Krieg, - es war der 1.Weltkrieg! - mit sich bringt?

Die Konsequenzen der Politik der Kaiserzeit sind, knallhart betrachtet, bis heute wirksam und als Negativum nicht mehr löschbar, wenn man sie so gern auch unter den Teppich kehrte.

Und diese Tochter wurde in die Inflationszeit hineingeboren, dieses Novum, bis dahin ohne Beispiel. Sie war noch ein kleiner Säugling, dem – herangewachsen - später von anderen ungeahnten, realen Auswirkungen zunächst erzählt werden musste, bis sie schließlich selbst zur noch sehr jungen Zeitgenossin der Weimarer Republik wurde, - gerade alt genug, um dabei zu sein in der wirren Zeit einer labilen, entgleisenden Demokratie, die scheiterte und in der nationalsozialistischen Diktatur endete.

Aber das war ja auch wieder erst ein Anfang! Die Arbeitslosigkeit wurde beseitigt. Um welchen Preis? Die Rüstung, die so umfassend Beschäftigung brachte, führte in den Krieg.

"Wie konntet ihr da mitmachen?" fragten später die Jungen die Alten, die das akzeptiert hatten. Es sah doch erst so günstig aus! - Man wollte doch Arbeit haben!

Die Jungen fragen ja immer die Älteren, wie "d a s" geschehen konnte, bis sie selbst von ihren eigenen Kindern so gefragt werden.

Angesichts offizieller Erfolge - "Kraft durch Freude" - , wie konnte ein junger Mensch, der sich erst mit der Welt auseinandersetzen und sie erfahren wollte und musste, all das schon durchschauen? Vorbei an jenen, die vergeblich Kassandrarufe wagten und schließlich nur noch aus dem Untergrund aufbegehren konnten.

„Du bist nichts, Dein Volk ist alles!“– „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ –„Der Nordische Mensch“– „Die Untermenschen.“ - Rassenhygiene - Bücherverbrennungen. NSDAP, BDM, HJ, SA, SS.

Als man begriffen hatte, war es zu spät.

Die heranwachsende Tochter erhielt in einer der "Höheren Mädchenschulen" eine solide, fundierte, humanistische Ausbildung von Lehrern, die noch in der Zeit der Weimarer Republik ausgebildet worden waren.

Wie war es möglich, dass die Inhaber eines kleinen, gut geführten Kolonialwarenladens, der Besitzer eines Textilgeschäftes eines Tages plötzlich nicht mehr anzutreffen waren? Dass in der gesamten Stadt in der "Kristallnacht" die Geschäfte jüdischer Besitzer verwüstet wurden? Und die brennenden Synagogen, die Deportationen...

Das junge Mädchen wurde mit seinen Altersgenossinnen - nun schon im Krieg - zum RAD – dem Reichsarbeitsdienst - nach Hinterpommern einberufen, danach zum Kriegshilfsdienst in das Luftwaffenlazarett Berlin-Reinickendorf, vormalig Luftwaffenkaserne "Hermann Göring" kommandiert und mit der Pflege von Verwundeten betraut, den Kopfschussverletzten, den Querschnittgelähmten nach Schussverletzungen der Wirbelsäule, den nervengelähmten jungen Männern.

Der 2. Weltkrieg mit den Bombennächten... die Tötung "lebensunwerten" Lebens, die Vernichtungslager, die Toten auf den vielen Kriegsschauplätzen,

Das begonnene Studium musste im „Totalen Krieg“ abgebrochen werden: Kriegsdienstverpflichtungen erzwangen den Einsatz in Rüstungsbetrieben.

Die verlorene Jugend.

"Heil Hitler!" ? - Nein, von diesem Hitler kam kein Heil! Ein Volk wurde beherrscht von einem Wahnsinnigen, der es in verbrecherischer Erbärmlichkeit in den Abgrund riss.

Es folgte das Desaster des Kriegsendes, Flüchtlinge auf den winterkalten eisigen Straßen aus den verlorenen Ostgebieten, verjagt aus den Lagern. Das besetzte besiegte Land in Trümmern, geteilt in Besatzungszonen, schließlich die Teilung Europas mit dem übergestülpten Sowjetsystem im Osten und der Herrschaft der sozialistischen Ideologie, die praktisch scheiterte, weil sie in der Realität den Menschen nicht entsprach.

Wieder Währungsmanipulationen: 1948 Währungsreformen in West- und Ostdeutschland.

1961 die Errichtung der Mauer mit ihren Flüchtlingen und Toten... Wieder eine Diktatur, unter anderem Vorzeichen über 40 Jahre... Es war genug!

Wirklich genug!

Das Volk steht auf... Die Hoffnungen einer gewaltfreien Revolution... 1989 - 9. November -.

Nach vielen Jahren wird Deutschland wieder vereint als Demokratie... Und es beginnt nach hoffnungsvoller Phase der "Runden Tische" und über die "Treuhand" die Aufarbeitung der östlichen... Zustände... in Richtung US-amerikanischer, kapitalistischer Wirtschafts- Prägung, die den Westdeutschen Wohlstand gebracht hat.

Bedeutet das Schieflage West - Ost? Immerhin fordert die Balance große Anstrengungen. Wieder einmal ist Arbeitslosigkeit im Spiel. Konkurrenzverhalten ist im Beitrittsgebiet fast unbekannt: Vertrautwerden mit den neuen Verhältnissen und Anforderungen ist nun angesagt.

Es gibt Zufriedenheit mit der wiedererstehenden Schönheit der ruinierten Städte und dem saturierten Konsumverlangen. Im Althergebrachten ist umzudenken und viel Neues dazu zu lernen.

Ist das allein von den Menschen im Osten des wieder vereinten Landes zu fordern?

Es fällt eine wichtige Entscheidung: Berlin ist wieder Hauptstadt in der Bundesrepublik Deutschland. Die rheinische Bonner Republik wird verabschiedet.

Korruption bricht als tiefliegender, verborgener Abszess hervor, der dringend der Exzision bedarf.

Ist das nun die heiß ersehnte Freiheit? Wird überhaupt verstanden, was "Freiheit" bedeutet und fordert? Wird sie nicht viel zu oft als Willkür ohne verantwortungsvolle Rücksichtnahme missverstanden? Von einem zutiefst ungeliebten Ideologen war ehedem erklärt worden: "Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit"...

Darüber könnte man nachdenken. Und all das gedeiht in der vielseitig sich entwickelnden und aufwuchernden Medienlandschaft.

Blicken wir zurück zu dem kleinen Mädchen, das in der Inflationszeit zur Welt kam und die ersten Anfänge des Rundfunks erlebte. Da hörte es Musik über Kopfhörer, die an einer Schnur mit dem von seinem Vater selbst gebastelten Detektorapparat verbunden waren. Schöne Musik hörte es, nach der es tanzen wollte, und die Tränen rollten über sein kleines Gesicht, weil es sich so gefesselt sah. "Warum weinst du?" fragte die Mutter und meinte: "Nun, tanz' doch!" Und man darf sich vorstellen, wie die kleine Tänzerin an der Schnur des Kopfhörers zum Radiogerät hing. ...Sie tanzte!

Welch eine Wandlung in relativ kurzer Zeit! Heute hört man über Lautsprecherboxen. - Das Fernsehen trat seinen Siegeszug an, auch die digitale Telekommunikation, ISDN, Internet, Computer und die Vollautomatisierung. Und das geschieht alles im Umfeld der fortschreitenden Globalisierung mit ihren immer dichter werdenden Verkehrsnetzen, - eine rasante Entwicklung!

Der Wissenschaft sind ungeahnte Erkenntnisse in vielen Bereichen gelungen u.a. in der Atomenergie und Gentechnologie, der Weltraumforschung...

Dieser Ergebnisse nehmen sich u.a. die Medien Tag für Tag an, informierend, aber auch beunruhigend. Es sollte jedoch versucht werden in der alles okkupierenden Wissenschaft und Technik das Notwendige und Zuträgliche zu betreiben und das herauszustellen.

Wie lebt man überhaupt vor diesen Szenarien?

Die Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten im Wesen der Menschen lässt sie sich zu allen Zeiten in den unterschiedlichsten Lebensformen arrangieren. Man passt sich an, leistet Widerstand und kann sich auch zurückziehen und sein Leben in "Nischen" verbringen.

Und erst im Nachhinein wird erkannt, dass der Mangel eine ungeheuer fördernde Kraft entfalten kann. Wird bei allem nur dem Nutzen Vorrang gegeben, was darauf hinausläuft, nur der Herrschaft des Geldes zu dienen, tritt bei allem Reichtum eine Verarmung ein, die wachsend geistig wie materiell breite Schichten im Volke einbezieht.

Das Leben hat immer zumindest zwei Ebenen: die der gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten und darin eingeschlossen die individuelle, differenzierte Existenz. Eingebettet im persönlichen Ergehen, in Berufsleben und Familie, wird es bis heute getragen von Jahrhunderte alter Kultur, die weiter wirkt.

Neben allen hier möglichen Bestrebungen bleibt die Liebe von Mensch zu Mensch in der Vielfalt ihrer Nuancen mit Sehnsucht und Erfüllung, die in selbstloser, tiefer Zuneigung gipfeln kann.

Und der Himmel spannt sich mit der hellen Sonne und den Sternen über einer schönen Natur mit ihren mannigfaltigen Landschaften und den Meeren. Den Bemühungen der Menschen, zum Weltgeschehen Erklärungen zu finden und sich darzustellen, konnten die Weltreligionen und philosophischen Weltanschauungen dienen, die immer wieder in die politischen Systeme einflossen. Mit welchem Erfolg, das sei dahingestellt.

Das persönliche Leben will ausgestattet sein im Miteinander der Menschen, im engeren Kreis oder in die Weite. Die Wiedervereinigung brachte den Ostdeutschen die Freiheit des Reisens, lange entbehrt, nun mit der Möglichkeit, aus der Enge einer Vormundschaft herauszutreten und in Begegnungen über die einstigen Grenzen hinaus, andere Regionen, Völker und Sprachen kennen zu lernen. Welche Bedeutung hat es, ein E u r o p ä e r sein zu dürfen und sich gar noch über den Kontinent hinaus bewegen zu können!

Dazu ist zu bedenken, dass der Mensch in seiner Egozentrik gern vergisst, dass er mit seinem Wissen und Vermögen Schritt um Schritt seine erstaunlichen Erkenntnisse nur den vorgegebenen Naturgesetzen abringen konnte, die wiederum "als farbiger Abglanz" das Universum ahnen lassen.

Er fühlt sich als "homo sapiens" und ist doch so oft nicht mehr als ein "homo erectus".

Beim Eintritt in das 3. Jahrtausend sollten wir uns besinnen, dass wir in der Unendlichkeit des Weltalls mit den Sternensystemen in 100 Milliarden Galaxien mit unserem kleinen Planeten Erde wie ein Atom im Gefüge der Schöpfung hängen.

Was ist da ein Jahrhundert, über das ein Resümee versucht wurde?

Die Antwort zur Frage, die zu selten gestellt wird, muss offen bleiben:

Das Seebeben „tsunami“ in Südostasien bringt die erschütternde Erkenntnis des Unvermögens der Menschen, Einfluss auf Naturgeschehen dieser Erde zu nehmen, auch wenn mancher selbstherrlich meint, das in seiner Hybris leugnen zu können.

Studium unter zwei vergangenen
politischen Systemen

Ein Bericht von Dr. Helga Berge, Leipzig


Gesundheitspolitik GeschichteIm Geschehen der Zeitabläufe kann man oft nur rückblickend deuten, wie das Leben so zwiespältig verlief. Ich studierte 5 Semester Medizin unter dem nationalsozialistischen Regime und dann mit Abstand 5 Semester in der DDR.

Weiß man, wenn die Dinge noch vor einem liegen, wie sich alles entwickeln wird?

Heute, 60 Jahre nach Kriegsende, wo man sich bemüht, der Verbrechen der Nationalsozialisten mit ihrer Grausamkeit in den Vernichtungslagern zu gedenken, will ich berichten, was ich am Rande all dessen mit meinen Kommilitonen erfuhr.

Wir studierten bei namhaften Professoren u.a. Physiologie, Chemie und vor allem Anatomie mit den Präparierkursen, in denen am menschlichen Leichnam die Muskeln, Blutgefässe und Verläufe der Nerven sorgfältig darzustellen sind, um so den humanen Organismus eingehend praktisch kennen zu lernen, wie auch heute noch.

Ungewöhnlich war aber, dass die zu präparierenden Leichen, - jeweils eine für vier Studenten - alle ohne Kopf auf den Tischen lagen. Die waren in einem Nebenraum den Zahnmedizinern zugeteilt. Jeden Montag wurden mit LKW Leichname von Dresden nach Leipzig geholt. Eine besondere Arglosigkeit ließ uns damals kaum bedenken, was da gespielt wurde. Wir haben es hingenommen.

Und wenn man sich damit auseinander gesetzt hätte, was hätte man ändern können?

So wie im Herbst 1944 im "Totalen Krieg" die Medizinstudentinnen der ersten fünf Semester ihr Studium unterbrechen mussten und zum Einsatz in Rüstungsbetriebe abkommandiert wurden. Daraus wurden für mich 12 Jahre, weil ich am Kriegsende zunächst heiratete, aber niemals vergessen konnte und wollte, dass ich den Wunsch gehabt hatte, Ärztin zu werden.

Ich versuchte schon 1946 weiterzustudieren. Alles drängte sich mit seinen Anträgen im bei den Luftangriffen des Krieges schwer beschädigten, aber immer noch vorhandenen "Augusteum" am Augustusplatz. Es wurde geworben, zum Studium Mitglied in der "Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands" zu werden. Nach meinen Erfahrungen im untergegangenen nationalsozialistischen Regime wollte ich das auf keinen Fall. Ich gab, wie gefordert, zur Bewerbung mein Original-Physikums-Zeugnis ab, - Kopien wurden strikt abgelehnt - . Ich wurde zum Studium nicht zugelassen, das Zeugnis ging verloren.

Erst 1956 bewarb ich mich erneut bei Prof. Velhagen, dem angesehenen damaligen Dekan der Medizinischen Fakultät in Leipzig. Nach der langen Pause seit 1944 ließ er mich 1956 im 6. klinischen Semester das Studium fortsetzen und sagte zu mir: "Ich hoffe, dass Sie in einem Jahr glücklicher sind als heute!" Ich war so dankbar! Und ich war voller Lerneifer!

Um mich beruflich abzusichern, hatte ich zuvor noch ein Fernstudium begonnen mit dem Abschluss "Medizinische Technische Assistentin". Neben der praktischen Laborarbeit musste ich dafür wöchentlich einen Tag Lehrveranstaltungen im verwüsteten Dresden im "Hygiene-Museum" besuchen. Das war nach den Bombenangriffen weit und breit neben dem Hauptbahnhof das einzige benutzbare Gebäude in einem von Ginsterbüschen und anderem wilden Gesträuch bewachsenen Gelände mit ungeordneten Verbindungswegen.
Dazu habe ich praktische Laborarbeit für das Fernstudium im Abenddienst geleistet, das Examen absolviert und daneben in der Universität schon Vorlesungen gehört. Mit Fleiß konnte man in der DDR durchaus eine gediegene Berufausbildung absolvieren.

Wahrscheinlich war ich damals eine der dankbarsten Studentinnen: Im "3. Reich" musste man ca. 220.- RM Studiengebühren pro Semester bezahlen. Das war viel Geld. Bei guten Leistungen wurde aber Studiengelderlass gewährt. Diese Ordnung könnte man auch unter den heutigen Verhältnissen einsetzen.

In meinem zweiten Studienabschnitt in der DDR erlebte ich nun gar, dass keine Studiengebühren erhoben wurden, und ich bekam pro Monat ein Stipendium in Höhe von 140.- M. Davon waren nur wenige ausgenommen.
Ich fand gut Anschluss. Es ergab sich aber, dass in meiner Schulzeit kein Russisch gelehrt worden war, nun jedoch gefordert wurde. Dem amtierenden Dekan der Medizinischen Fakultät Professor Hauschild brachte ich vor, dass ich mich in Englisch und Französisch auskenne, und er meinte, das sei gut und genüge, und wenn ich zum Staatsexamen Schwierigkeiten bekäme, solle ich zu ihm kommen. Das war aber nicht nötig.
Ich wusste auch gar nichts vom Marxismus-Leninismus, der nun 6 Semester auf den Lehrplänen stand. In meinem ersten Studienabschnitt unter nationalsozialistischer Ideologie kam der ja nicht vor! Ich musste das in einem Sonder-Seminar nachholen, in dem mir eine typische Nichtigkeit Anlass zu Besorgnis gab: Man muss dafür die .Zusammenhänge kennen, um es zu verstehen: Ich trug eine west-deutsche(!) Junghans-Uhr, die ich geschenkt bekommen hatte. Als der linientreue Seminar-Leiter sie an meinem Arm entdeckte, reagierte er entsprechend.

Seine gleichgesinnte Frau war auch Medizinstudentin in meinem Semester und suchte bei mir Anschluss. Wir hörten bei Professor Matzen Orthopädie. Die meisten Studenten schätzten seine sehr guten Vorlesungen und seine offene, aufrechte Haltung, mit der er zu ihrem Vergnügen oft versteckt und ironisch Kritik an den Verhältnissen übte. Dafür wollten sie ihm zum Ende des Semesters Blumen überreichen. Aber das war ein Problem!
Wer sollte den Strauss überreichen? Denn wer wollte und konnte sein Stipendium aufs Spiel setzen?
Die Frau des erwähnten parteilichen Seminarleiters, - sie vertrat natürlich seine Einstellung -, sagte zu mir, als sie von dem Plan erfuhr: Ich muss es wörtlich zitieren: "Der reaktionäre Kerl, der kriegt doch von uns 'keene Blum'".

Es gab aber eine Studentin, die kein Stipendium bekam, weil ihr Vater einen eigenen kleinen Betrieb besaß. Und nach der Abschlussvorlesung warteten wir gespannt: Würde alles so klappen, wie wir es uns wünschten?

Als Professor Matzen den letzten Satz gesprochen hatte, öffnete sich die breite Tür im Hörsaal, durch die sonst die Patienten hereingefahren wurden. Und eben diese Kollegin überreichte dem verehrten Hochschullehrer ein wunderschönes großes Blumengebinde unter unserem Beifall und Jubel. Das ist mir unvergesslich, weil es zeigte, dass die Studenten durchaus auch ihre Einstellung erkennen ließen.

Natürlich waren in den "zuständigen" Stellen die linientreuen Vertreter darüber informiert. Und das löste auch für mich Entsprechendes aus: Nach dem Staatsexamen im 11. Semester wollte ich Augenärztin werden und brauchte dazu eine Anstellung in der Universitäts-Augenklinik in Leipzig. Die Parteisekretärin des Studienjahres und ein engstirniger Genosse befragten und leiteten uns weiter: Mit den Worten: "Überall hin, "awer an de Karl-Marx-Universität nich!" wurde ich verabschiedet.

Ich begann dann als Ärztin im Kreiskrankenhaus Meißen. Dort wurden die Entscheidungen nach medizinischen Gesichtspunkten gefällt - und nicht politisch.

Damals war kaum zu erwarten, dass auch diese Zeit schließlich wieder abgelöst werden würde... Aber es kam wiederum anders...

Medizinstudium in der Informationsgesellschaft

Richtig. Kaum ein Medizinstudium kann wohl wirklich rüsten auf die Geschehnisse, die die Informationsgesellschaft zukünftig bereithalten wird. Gut ist es daher, einen privaten Obstgarten anzulegen, der in der Informationsgesellschaft die Blätter bereithält, die Tantiemen aus dem traditionell hochgestochenden Heilmittelgesetz abwerfen für immerwährende jahrelange Gesundheitsfrüchte.

   
 
 
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